Gedenkstelen

Hintergrund

Die "Nürnberger Gesetze" - die juristische Basis für Diskriminierung und Verfolgung

Während des Reichsparteitages der NSDAP in Nürnberg wurden am 15. September 1935 die "Nürnberger Rassengesetze" verkündet ("Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre", auch "Blutschutzgesetz" genannt, und das "Reichsbürgergesetz")

Die Nürnberger Rassengesetze verbreiterten die juristische Basis für die Diskriminierung und Verfolgung der Juden in Deutschland, die bereits seit 1933 in erschreckend starkem Maße mit Berufsverboten und zahlreichen Sondergesetzen eingesetzt hatte.

Das "Blutschutzgesetz" sah schwere Gefängnis- und Zuchthausstrafen für den Fall der Eheschließung zwischen Juden und "Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes" vor. Auch ein außerehelicher, sexueller Kontakt wurde unter Strafe gestellt. Das "Blutschutzgesetz" bildete die Grundlage für rund zweitausend Straf-Prozesse wegen "Rassenschande". Es folgte die zwangsweise Übertragung und Enteignung jüdischen Besitzes, die sogenannte Arisierung. Das "Reichsbürgergesetz" wurde in den Jahren nach seiner Verkündung durch 13 Zusatzverordnungen ergänzt, die den Ausschluss von Juden aus der staatlichen Gemeinschaft vorsahen.

Die Nürnberger Rassengesetze gelten als Inbegriff der Pervertierung des Rechtsstaats-Gedankens durch den Nationalsozialismus. Die Rassenideologie bekam dadurch einen juristischen Anstrich. Der NS-Genozidpolitik wurde damit letztendlich der Weg bereitet.

Weitere Informationen unter: http://www.rassengesetze.nuernberg.de/index.html

 

Die Entstehung der Gedenktafeln zum 70. Jahrestag der Nürnberger Rassengesetze

Am 15. September 2005 vor 70 Jahren wurden die Nürnberger Rassengesetze erlassen, die die Rassenideologie der Nazis zur Staatsdoktrin erhoben. An dieses Ereignis wollte die Nürnberger Gruppe der IPPNW erinnern und ein öffentliches Zeichen setzen. Der historische Ort der Beratung und des Beschlusses der Rassengesetze durch den gleichgeschalteten NS-Reichstag war das Haus des Nürnberger Kulturvereins am Frauentorgraben.

Die Kollegen Horst Seithe und Hannes Wandt entwickelten im Sommer 2005 den Plan, am Ort der Entstehung der Rassengesetze in Nürnberg endlich eine Gedenktafel aufstellen zu lassen. Das Haus des ehemaligen Kulturvereins wurde im Krieg zerstört und in den folgenden Nachkriegsjahren abgerissen. Heute steht dort die Hauptgeschäftsstelle der AOK Mittelfranken.

Hauptansprechpartner war daher neben dem Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg die AOK Bayern. Im Gegensatz zu den Sinti und Roma, die vor Jahren schon einen vergeblichen Versuch unternommen hatten, eine Tafel anzubringen, fanden wir jetzt als IPPNW-Gruppe von Anfang an eine große Bereitschaft für unser Projekt.

Die Stadt Nürnberg und insbesondere auch die AOK machten sich unsere Idee zu ihrer Sache. In Vorbereitung auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 arbeitete das Stadtarchiv Nürnberg schon an einem Konzept für erklärende Gedenk-Stelen für die Besucher des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes, die in deutscher und englischer Sprache abgefasst und mit Bildern illustriert sein sollten. Dieses Konzept wurde von der AOK übernommen, so dass aus einer einfachen Gedenktafel nun doppelte Stelen mit Erklärungen in Bild und Schrift wurden. Am Haupteingang der AOK Nürnberg sind sie gut sichtbar installiert.

Am 25. Mai 2006 wurden sie in einem feierlichen Akt vom Oberbürgermeister, dem AOK-Vorstand und einem Vertreter der Regionalgruppe Nürnberg/Fürth/Erlangen der IPPNW gemeinsam der Öffentlichkeit übergeben.

Da unsere Gruppe auf der ersten Stele als Initiator genannt wird, erfahren die Besucher der AOK, Passanten und auch viele Schüler neben der mahnenden Geschichte auch von den Aktivitäten der IPPNW. Schüler deshalb, weil pro Jahr viele Klassen die AOK besuchen. Im künftigen Führungsprogramm für die Schulklassen wird der Besuch der Stelen ein wichtiger Punkt sein, wie uns der Geschäftsführer der AOK versicherte.