Zur Ausschaltung jüdischer Ärzte im III. Reich.

Eine zu lange verdrängte Geschichte.

Dr. Horst Seithe

November 2008

Vor 70 Jahren, am 30. September 1938, gipfelte die Diffamierung und Ausgrenzung jüdischer Kolleginnen und Kollegen im Entzug ihrer Approbation zum Arzt.
Vor 20 Jahren, am 30 September 1988, legten Nürnberger Ärzte und Delegierte des 41. Bayerischen Ärztetages einen Kranz am Mahnmal der Reichsprogromnacht nahe beim ehemaligen Standort der jüdischen Synagoge beim Hans Sachs Platz nieder.
Vor 10 Jahren wurde die Flurstraße am Klinikum Nürnberg Nord in Prof. Ernst Nathan Straße umbenannt.
Vor 2 Jahren wurden die Gedenkstelen an die Nürnberger Rassegesetze der Öffentlichkeit übergeben. Damals wie heute erinnern und gedenken wir der verfolgten jüdischen Kolleginnen und Kollegen im Nationalsozialismus.

Der Antisemitismus vieler deutscher Ärzte äußerte sich bereits zu Beginn des III. Reiches in einer ausufernden standespolitischen Selbstjustiz. Der aufbrechende Übereifer vieler Ärzte in der Bekämpfung jüdischer Kollegen musste sogar von Parteidienststellen abgebremst werden, da eine deutlich verschlechterte ärztliche Versorgung der Bevölkerung drohte.
Bereits vor dem Erlass des nationalsozialistischen „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ am 7. April 1933 wurden aus innerärztlichem Antrieb fachlich renommierte, sozial engagierte und persönlich integere deutsche Ärzte jüdischen Glaubens aus ihren beruflichen Stellungen bei staatlichen und kommunalen Institutionen und aus ehrenamtlichen Positionen wie beim DRK oder in den medizinischen Fachgesellschaften vertrieben.
Einer von ihnen war Prof. Ernst Nathan, dessen Lebensgeschichte durch die Straßenumbenennung gewürdigt wurde. Eines der größten europäischen Krankenhäuser, das Klinikum Nürnberg, führt auf Initiative der Nürnberger IPPNW seit 1998 seinen Namen als Anschrift.

Wer war Prof. Ernst Nathan ? Er wurde 1889 in Darmstadt als Sohn eines jüdischen Kaufmannes geboren und erhielt Anfang der 20-iger Jahre eine Professur an der Frankfurter Universitätsklinik. 1923 übernahm er die Leitung der Hautklinik am Städtischen Krankenhaus Nürnberg. 1926 heiratete er Lotte Berlin aus Fürth und wurde 1928 Vater eines Sohnes. Er war eine fachlich und menschlich anerkannte Kapazität, Vorreiter der Allergologie und ein umsichtiger Klinikleiter. Ungeachtet seines fachlichen Renommees und seiner persönlichen Integrität wurde er bereits im März 1933 aus rassischen Gründen entlassen. Er hatte sofort seinen Urlaub anzutreten. Im September 1933 wurde er dann ohne weitere Bezüge zwangsweise in den Ruhestand versetzt. Nach seiner unehrenhaften Entlassung praktizierte er bis zum Approbationsentzug als niedergelassener Facharzt ohne Kassenzulassung in der Wetzendorfer Str. 1. Seiner Existenzgrundlage beraubt gelang ihm und seiner Familie im März 1939 die Emigration in die USA, wo er in New York eine neue Heimat fand.

Neben Ernst Nathan möchte ich stellvertretend erinnern an:
- Dr. Julius Mainzer. Er war Stadtmedizinalrat, Stadtschularzt und zuvor Leiter des Städtischen Gesundheitsamtes.Als sozial engagierter Arzt gründete er u. a. einen Kindergarten für psychisch kranke Kinder. Später sollte er mit Einsetzen der Deportationen in die Konzentrationslager Selbstmord begehen.
- Dr. Alexander Frankenburger, Leiter der Beobachtungsstelle für Lungenkranke und Mitbegründer des Vereins zur Bekämpfung der Tuberkulose. Er nahm sich in der Reichsprogromnacht vor 70 Jahren aus Verzweiflung das Leben.
- Prof. Dr. Konrad Bingold, seit 1929 Leiter der 1. Medizinischen Klinik des Städtischen Krankenhauses Nürnberg. Er wurde im Dezember 1936 entlassen, weil seine Frau jüdischer Abstammung war, und er sich nicht von ihr trennen wollte.

"Kein Beruf ist so verjudet wie der ärztliche", stellte der NSDÄB 1933 fest: "Die jüdischen ,Kollegen' verfälschten den ärztlichen Ehrbegriff und untergruben arteigene Ethik und Moral. Ihnen verdanken wir, dass händlerischer Geist und unwürdige geschäftliche Einstellung sich immer mehr in unseren Reihen breit machten..." Worauf zielte nun dieser Angriff auf die humanitäre Ethik und persönliche Integrität ab? Die Nationalsozialisten, der Nationalsozialistische Deutsche Ärztebund und ihnen ergebene Ärzte wollten

  • die jüdischen Ärzte von den nichtjüdischen Kollegen und Patienten separieren,
  • sie fachlich und menschlich diffamieren und ausgrenzen,
  • ihre Berufsausübung durch immer neue Beschränkungen und Schikanierungen erschweren und sie damit zur Berufsaufgabe zwingen,
  • den jüdischen Ärztenachwuchs dauerhaft verhindern,
  • jüdische Ärzte und das Judentum medikalisieren, d.h. ihr Judentum wurde als Krankheit pathologisiert, welche ausgerottet werden müsse.
  • und sollten viele von ihnen letztendlich im Holocaust ermorden.

Diese Bedrängung und Erniedrigung jüdischer Ärzte spielte sich spätestens ab dem 1. April 1933, dem Tag des allgemeinen Judenboykotts, in aller Öffentlichkeit ab. Auch vor jüdischen Arztpraxen standen fanatisierte SS- und SA-Männer, um Patienten vom Aufsuchen ihres jüdischen Arztes abzuhalten. Slogans wie „Eine deutsche Frau, ein deutsches Mädchen geht nicht zum jüdischen Arzt“ zielten auf die Intimsphäre der Arzt-Patienten-Beziehung. Es gibt sogar spätere Beispiele , dass SA-Provokateure während gynäkologischer Untersuchungen Arztpraxen stürmten, um die jüdischen Ärzte wegen angeblicher sexueller Übergriffe zu diffamieren und die Patientinnen einzuschüchtern.

Welches Motivationsgemenge wurde schon in dieser frühen Phase sichtbar? Ökonomische und ideologische Aspekte sind erkennbar.
- gegen Ende der Weimarer Republik waren 10 % der approbierten Ärzte arbeitslos. 14 % der ärztlich tätigen Kollegen waren Juden. In der Kinderheilkunde waren es reichsweit ca. 54 %. In die freigepressten Positionen rückten junge und linientreue arische Ärzte nach. Die Qualität der medizinischen Versorgung der Gesamtbevölkerung sank in einigen Städten wie Berlin, Nürnberg, später Wien spürbar. Das Tempo der Ausschaltung musste deshalb aus Versorgungsgründen anfangs zurückgenommen werden. Erleichtert wurde diese Verdrängung, da viele Ärzte in antisemitischen, nationalistischen, eugenischen und rassenhygienischen Traditionslinien standen. 44 % der deutschen Ärzte wurden Mitglieder der NSDAP.

Stichpunktartig möchte ich im Folgenden die Eskalation und Radikalisierung der Maßnahmen gegen jüdischer Ärzte ins Gedächtnis rufen. Aus anfänglich ungezügelten Aktionen zahlreicher Ärzte und Standesvertreter wurde eine systematische Entrechtung und Entfernung durch staatliches Vorgehen.

  • nach dem bereits erwähnten „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ wurde den jüdischen Ärzten ab 22. April 1933 sukzessive die Kassenzulassung entzogen. Es wurden alle nicht-arischen Ärzte von der Privatliquidation ausgeschlossen, fünf Jahre später auch von der Vergütung durch die staatlichen Ersatzkassen. Es wurden nur noch Leistungen jüdischer Patienten beglichen. Ein finanzielles Fiasko zeichnete sich ab.
  • im April 1933 wurde der Hochschulzugang für jüdische Abiturienten erheblich eingeschränkt. Sie durften nur noch entsprechend ihres Bevölkerungsanteils studieren, was besonders im Fach Humanmedizin zu stark sinkenden jüdischen Studentenzahlen führte.
  • Ab August 1933 wurde die Kooperation arischer und jüdischer Ärzte untersagt. Die fachliche und soziale Isolierung nahm zu.
  • Ab Februar 1935 wurde die Zulassung zu ärztlichen Examina vom Ariernachweis abhängig gemacht. Jüdische Medizinstudenten konnten fortan keine Examina mehr ablegen.
  • Im Gefolge der sogenannten Nürnberger Gesetze wurden auch jüdischen Ärzten die Pässe entzogen. Sie wurden zu minderwertigen Menschen deklariert. U. a. wurden damit Reisen und Fortbildungen im Ausland stark beschnitten.
  • Mit der Reichsärzteordnung vom 13. Dezember 1935 wurde jungen jüdischen Ärzten mit der Verweigerung der Approbation der Zugang zum Arztberuf verwehrt.
  • Im Oktober 1936 wurde die Behandlung nichtjüdischer Patienten durch jüdische Ärzte vollends verboten.
  • Diese fortschreitende Isolierung und Entrechtung erreichte mit dem 30. September 1938 einen weiteren Höhepunkt, als allen jüdischen Kollegen der Titel Arzt aberkannt und ihnen die Approbation entzogen wurde. Damit war die berufliche und ökonomische Existenz der noch aktiven jüdischen Ärzten endgültig vernichtet.
  • Die noch verbliebenen jüdischen Ärzte mussten sich abwertend „Krankenbehandler“ nennen. Sie wurden nur noch an Orten mit hohem jüdischen Bevölkerungsanteil toleriert, um eine minimale ärztliche Versorgung der jüdischen Bevölkerung zu gewährleisten. Die Nazis hatten vorerst noch Angst vor einem Überspringen von möglichen Epidemien auf die arische Bevölkerung. Daher wurde eine ärztliche Minimalversorgung der jüdischen Bevölkerung vorerst aufrecht erhalten. Bis Anfang 1939 verringerte sich die Zahl dieser sogenannten Krankenbehandler im Deutschen Reich auf nur noch 285 Kolleginnen und Kollegen.

In Nürnberg wurden im März 1933 ca. 14 % der Ärzte als nichtarisch eingestuft. Bei 1,8 % jüdischen Bevölkerungsanteil war der Anteil jüdischer Ärzte somit hoch. Im Gefolge der nun verstärkt einsetzenden Repressionen gaben 63 jüdische Kollegen bereits 1933 ihre Praxis auf, rund 6 mal soviel wie in den Vorjahren. 1937 waren noch 50 jüdische Ärzte für jüdische Patienten privatärztlich tätig. Damit waren zu diesem Zeitpunkt 11 % der Nürnberger Ärzte von der Versorgung der Bevölkerung ausgeschlossen. 15 der 26 niedergelassenen Kinderärzte waren jüdischer Herkunft (58 % ). Ihre Ausschaltung führte zu einer spürbaren Verschlechterung der medizinischen Betreuung.

Ein beredtes Beispiel für die Entsolidarisierung mit bedrohten Kollegen spielte sich ebenfalls in Nürnberg ab. Im April 1934 erpreßten nach längerem informellen Druck 12 Nürnberger Ärzte die Leitungen der Belegkliniken Theresienkrankenhaus, Martha-Maria-Klinik und Klinik Hallerwiese. Ultimativ forderten sie, dass bis zum 1. Mai 1934 alle dort tätigen nichtarischen Ärzte ihre Arbeit aufzugeben hätten Als arische Ärzte würden sie sonst ihre Tätigkeiten einstellen, weil ihnen die Zusammenarbeit mit Juden nicht länger zugemutet werden könne. Trotz Protestes der betroffenen jüdischen Kollegen erfolgte kurzfristig der Rauswurf.

  • Die ökonomische Lebensgrundlage der pensionierten jüdischen Kollegen wurde weiter geschmälert durch das Aussetzen der Rentenzahlungen durch die ärztlichen Versorgungswerke.
  • Ab Dezember 1938 wurden Juden die Führerscheine weggenommen. Dies behinderte auch Hausbesuche. Jüdische Ärzte durften nur noch jüdisches Personal beschäftigen. Dies war aber nicht in ausreichender Anzahl vorhanden, was die medizinische Versorgung ihrer Patienten weiter verschlechterte.

Im Kontext der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden auch jüdische Ärzte verhaftet, gedemütigt und terrorisiert, in den Selbstmord oder die Emigration getrieben. Die wenigen noch verbliebenen Praxen und jüdischen Hospitäler wurden angegriffen, verwüstet und geschlossen. Dies hatte für die ärztliche Versorgung der jüdischen Bevölkerung weitere fatale Konsequenzen.
Parallel zu den staatlichen Unrechtsmaßnahmen und Ausgrenzungen eskalierte seit 1933 der Terror gegen jüdische Ärzte. Die nationalsozialistische Verfolgung hatte verheerende Auswirkungen. Der Erfahrungshorizont jüdischer Mediziner war bei aller Heterogenität der jüdischen Ärzteschaft und der Individualität des Einzelschicksals durch viele Gemeinsamkeiten geprägt. Annähernd 25 % der jüdischen Ärzte wurden ermordet. Rund 10 % begingen Selbstmord. 1938 gab es im eigentlichen Reichsgebiet Deutschlands noch 3152 jüdische Ärztinnen und Ärzte. Zwischen 1933 und 1945 wurden bei einer Gesamtzahl von ca. 52.500 Ärztinnen und Ärzten insgesamt mehr als 9.000 von ihnen aus ihrem Beruf gedrängt, in die Emigration gezwungen oder in den Selbstmord getrieben oder - wie Millionen andere - umgebracht.

Verdiente Ärzte, die sich mit der Erforschung und Heilung von Krankheiten persönlich identifizierten, wurden selbst als Kranke diffamiert, die ausgerottet werden müssten. Welche individuellen Dramen und Schicksale sich hinter diesen nüchternen Worten verbergen, können wir heute allenfalls erahnen. Die damals erlittenen Traumatisierungen wirken bei den Überlebenden, ihren Kindern und Anverwandten bis heute nach.

Wie Prof. Hanauske-Abel beim internationalem Kongress „Medizin und Gewissen. 50 Jahre nach dem Nürnberger Ärzteprozess“ im Oktober 1996 in unserer Stadt feststellte, sind heute weniger als zwei von eintausend deutschen Ärzten jüdischen Glaubens. Ein ungeheuerlicher Aderlass. Waren es 1933 noch 8 Prozent, verblieben 1996 kaum 2 Promille. Die Ärzteschaft und der Staat bemühten sich nicht um ihre Rückführung. Kaum einer kehrte zurück, nur wenige Neue konnten approbiert werden. Dieses erschütternde Vermächtnis der Nationalsozialisten wirkt damit bis heute nach. Die deutsche Ärzteschaft ist seit jenen Jahren nahezu „judenrein“.

Aber nicht nur in quantitativer Hinsicht bleiben klaffende Wunden bestehen. Die wissenschaftlichen Leistungen und Verdienste hervorragender und weltweit anerkannter jüdischer Wissenschaftler und Ärzte wurden im Nachkriegsdeutschland lange Zeit unterdrückt. Diese Tabuisierungsphase betrug im Durchschnitt 35 Jahre, also bis 1980 und auch länger. Der Rauswurf durch die Nazis wurde durch das Verdrängen und Vergessen bis weit in die 80er Jahre nachträglich sanktioniert, ein in der Wissenschaftsgeschichte unvergleichlicher Traditionsbruch. In Periodika, Handbüchern wurden die Namen ihrer jüdischen Mitbegründer, Mitherausgeber jahrzehnte lang bewusst unterschlagen, Publikationen von jüdischen Wissenschaftlern wurden ignoriert. In wissenschaftlichen Lexika und biographischen Nachschlagewerken finden sich teilweise bis heute keine Hinweise auf ihr verdienstvolles Wirken.

Erst mit dem alternativen Berliner Gesundheitstag 1980 wurde der Schleier des Vergessens und Verdrängens gegen anfänglich sehr große Widerstände der offiziellen Standespolitiker angehoben. Erst seit den 90er Jahren begannen offizielle medizinische Fachgesellschaften wie Kinder- und Jugendmedizin, Gynäkologie, Hämatologie, sich ihrer ehemaligen jüdischen Fachvertreter zu erinnern. Ihre Geschichte, ihre wissenschaftlichen Werke und Wirkungen werden erst seitdem offiziell erforscht und gewürdigt. Inzwischen gibt es kaum eine Berufsgruppe, deren unrühmliche Geschichte im III. Reich so umfassend erforscht ist wie die der Ärzteschaft. Wir können uns aber nicht zufrieden über das Erreichte zurücklehnen. Zu viele Lücken sind noch zu füllen. Die heutigen Medizinstudenten und viele junge Ärzte wissen zu wenig über diese auch heute noch aufwühlende Zeitspanne. Mit dem Verlust des Wissen droht auch die Last dieses Wissens verloren zu gehen. So sieht der Nestor der deutschen Medizingeschichte, Prof. Richard Toellner, diese Last als die Lehre aus jenen dunklen Jahren an.

Auch in Nürnberg lag lange der Mantel des Schweigens und Verdrängens über diesem unrühmlichen Kapitel unserer Standesgeschichte. Erst 1992 erschien ein Faltblatt der ÖTV-Jugend und des Vereins „Geschichte für Alle“, welches sich dieser Historie annäherte. Anschließend findet sich ein längerer Beitrag in dem Buch „Unterm Hakenkreuz. Alltag in Nürnberg 1933-1945“ von Windsheimer und Molketeller. Bernd Windsheimer befasste sich danach ausführlich mit dieser historischer Problematik in seinem verdienstvollen Buch „100 Jahre Klinikum Nürnberg“, welches 1997 erschien.

Eine weiteres positives Beispiel der hiesigen Erinnerungskultur zur Geschichte unserer Stadt und den Auswirkungen der Diffamierung von Menschen anderer Rassen oder anderen Glaubens war die Einweihung der Stelen zum Gedenken an die sogenannten Nürnberger Gesetze, die beim 7. Reichsparteitag der NSDAP am 15. September 1935 erlassen wurden. Der Reichsärzteführer Dr. med. Gerhard Wagner war an ihrer Ausarbeitung maßgeblich beteiligt. Auf Initiative Nürnberger Ärzte wurden diese Stelen am 70. Jahrestag dieses bedrückenden Ereignisses am historisch authentischen Ort der Öffentlichkeit übergeben. Sie sind neben dem AOK-Gebäude am Frauentorgraben in Nürnberg zu finden.

Im kommenden Jahr wird die neue Wanderausstellung „Approbationsentzug 1938“ auch in Nürnberg präsentiert. In diesem Kontext werden Nürnberger Ärzte in Kooperation mit der israelitischen Kultusgemeinde, dem Stadtarchiv und dem „Verein Geschichte für Alle“ versuchen, noch vorhandene Lücken in unserem Wissen über das Leben, Werk und Wirken jüdischer Ärzte in Nürnberg zu verkleinern.
Unsere ehemaligen jüdischen Kollegen und ihre Familien und Nachkommen müssen weiter aus der Vergessenheit und der Verdrängung geholt werden. Sie waren und sind zu wertvoll für uns alle, als dass wir auf sie verzichten könnten. Ihr Gedenken mahnt uns auch in Zukunft zu Humanität und Solidarität.

Es geht dabei nicht darum, die Schicksale unserer jüdischen Kollegen zu besichtigen. Es geht vielmehr darum, dabei eine Hilfe für die eigene Widerstandskraft zu gewinnen, in einem Beruf, der scheinbar bereits a priori über die höchste moralische Integrität verfügt, in Wirklichkeit aber nur eine besonders hohe Verantwortung trägt und der jederzeit gefährdet ist, an dieser zu scheitern.